Schwester Augustina mit Schülern im Klassenzimmer

Geschichte

  • 1860 nahm David Fuchs, der Gründer des Klosters Heiligenbronn das erste taubstumme Mädchen in seine so genannte "Rettungsanstalt" auf. Eigentlich war diese Einrichtung zunächst für Waisenkinder gedacht, doch konnte sich David Fuchs der Not der so genannten "taubstummen" Kinder nicht entziehen. Für einige Jahre war die "Rettungsanstalt" nur für Mädchen bestimmt. Erst ein paar Jahre später wurden auch Jungen aufgenommen.
  • 1876 Neben einer geeigneten Schulbildung wurden den jungen Menschen zunehmend Ausbildungen ermöglicht. Zunächst war dies die Arbeit in der Paramentenstickerei bzw. Schuhmacherei. 1876 wurde ein gehörloser Schreiner eingestellt, der viele Schulabsolventen für diesen Beruf zu begeistern verstand. Da sich die Einrichtung in Heiligenbronn beachtlich entwickelte, machte sich Königin Olga ein Jahr später persönlich ein Bild vom Standort Heiligenbronn.
  • 1889 wurde das Gebäude errichtet, in dem heute noch der Unterricht für die hörgeschädigten Kinder und Jugendlichen stattfindet. Zu dieser Zeit waren schon 50 gehörlose Kinder in Heiligenbronn.
  • 1910 wurde an das Schulgebäude angebaut (heutiger Querbau), da man bei nunmehr 90 Schülern mit räumlicher Enge zu kämpfen hatte. Leider dauerte die Freude über die neuen Räumlichkeiten nicht lange an, denn in den Jahren 1914-1918 brachte der Krieg herbe Einschränkungen mit sich. Zwar mussten keine Lehrer an die Front, jedoch wurde das gesamte Schulhaus für ein Lazarett beschlagnahmt. So wurden nun gehörlose, blinde und Waisenkinder auf engstem Raum unterrichtet. Die Rationierung der Nahrungsmittel bedeutete darüber hinaus vier Hungerjahre.
  • 1928 Die Weltwirtschaftskrise beeinflusste auch die Ausbildung und die Arbeitsplatzsituation der gehörlosen Jugendlichen in Heiligenbronn. Jetzt wurde als Qualifikationsnachweis eine gültige Abschlussprüfung vor einer Kammer verlangt. So wurde 1928 die erste Berufsschule in Heiligenbronn eingerichtet.
  • Als 1939 der zweite Weltkrieg begann wurde wiederum die Gehörlosenschule sofort als Lazarett umfunktioniert. Der Unterricht und die Wohnräume wurden in das Kloster verlegt. Es herrschte in den folgenden Jahren drangvolle Enge in Heiligenbronn, bis 1945 die gehörlosen Schüler wieder ihre Schule für sich hatten und wieder so etwas wie Normalität eintrat. 1946 zählte die Gehörlosenschule 150 Schüler, 1959 wurde der Berufsschulunterricht wieder aufgenommen. Es gab Auszubildende in den Bereichen Damenschneiderei, Korbmacher und Stickerin.
  • 1954 eröffnete der Sonderschulkindergarten: durch Umbau in der Gehörlosenschule wurde dafür ein Raum frei.
  • 1956 unterrichtete zum ersten Mal eine weltliche Lehrerin bei den gehörlosen Kindern. Die Schüler wurden bis dahin ausschließlich von Ordensschwestern unterrichtet.
  • 1957 gab es die erste Höranlage in einem Klassenzimmer.
  • 1960 wurden größere Umbaumaßnahmen in der Gehörlosenschule vorgenommen.
  • 1961 starteten die Hausbesuche bei Eltern mit hörbehinderten Kleinkindern (Frühförderung).
  • 1965 erhielt ein Entlassschüler der Gehörlosenschule zum ersten Mal eine externe Ausbildungsstelle: eine Lehrstelle als Mechaniker in einem Schramberger Betrieb.
  • 1966 erfolgte der Neubau des Sonderschulkindergartens.
  • 1970 wurde der erste Elternbeirat der Schule gewählt.
Artikulation mit Schwester Karolina
Artikulation mit Schwester Karolina
  • 1972 gründete der Elternbeiratsvorsitzende einen Förderverein an der Schule.
  • 1976 wurden die Häuser des neuen Schülerinternats hinter der Gehörlosenschule fertig gestellt und konnten bezogen werden.
  • 1977 begann die Berufsschule mit dem Angebot einer Fachwerkerausbildung.
Schulhausbrand der alten Schule
Schulhausbrand der alten Schule
  • 1980 war ein hartes Jahr für die Gehörlosenschule. In der Nacht zum 11. November brach dort ein Großbrand aus, bei dem etwa 200 Feuerwehrleute gegen die Flammen kämpften. Zum Glück wurde niemand verletzt. Zu beklagen waren allerdings zerstörte Wohn- und Unterrichtsräume, sowie technische Geräte und Hörgeräte, die zunächst wieder beschafft werden mussten. Trotz Wiederaufbau ging der Unterricht für die gehörlosen Schüler in Ausweichräumen weiter.
  • 1997 wurden die ersten Kinder mit AVWS in der Grundschule aufgenommen.
  • Von 2001 an nannte sich die Schule "Schule für Hörgeschädigte".
    Aus der 1860 begonnenen "Rettungsanstalt für Taubstumme", die mit einem Mädchen begann, wurde im Laufe der Jahrzehnte eine komplexe Einrichtung mit weit über 100 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es wurden und werden hörgeschädigte Kinder von Geburt an bis zur Berufstätigkeit gefördert und betreut.
  • 2005 Der Name Förderzentrum Hören und Sprechen bezeichnet seit 2005 alle Bereiche der Arbeit mit hörgeschädigten Menschen in Heiligenbronn. Zum Förderzentrum Hören und Sprechen gehören die Beratungsstelle, der Schulkindergarten, die Grund-, Haupt- und Förderschule, die Berufsschule sowie die Internats- und Tagesgruppen.
  • 2006 In Dürbheim (Kreis Tuttlingen) und Balingen (Zollernalbkreis) entstehen Grundschul-Außenklassen.
  • 2009 In Bräunlingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) entsteht eine neue Grundschul-Außenklasse.
  • 2010 In Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen) entsteht eine neue Hauptschul-Außenklasse.